Welche Nährstoffe braucht ein Hund?

Bedarfsgerechte Hundeernährung nach dem 80/20- oder 70/30-Prinzip

In der Hundeernährung begegnet man häufig zwei unterschiedlichen Modellen: dem 80/20-Prinzip und dem 70/30-Prinzip.

Wichtig ist: Diese beiden Modelle unterscheiden sich nicht nur in der Prozentzahl – sondern vor allem in der Art des pflanzlichen Anteils.

80/20 – getreidefrei

  • 80 % tierische Bestandteile
  • 20 % pflanzliche Bestandteile (Gemüse, ggf. etwas Obst, Kräuter)

Dieses Modell wird in der Regel getreidefrei aufgebaut.

70/30 – mit Getreide

  • 70 % tierische Bestandteile
  • 30 % pflanzliche Bestandteile, davon ist der Großteil Getreide (z. B. Reis, Hirse, Hafer)

Hier wird bewusst mit Getreide als Energieträger gearbeitet.

Beide Modelle können, korrekt berechnet, funktionieren. Entscheidend ist nicht nur die Prozentzahl, sondern die qualitative Zusammensetzung innerhalb dieser Aufteilung.

Die tierischen Bestandteile – Das Fundament

Unabhängig davon, ob 80/20 oder 70/30 gefüttert wird, sollte sich der tierische Anteil physiologisch zusammensetzen aus:

  • Muskelfleisch
  • Ca. 15 % Innereien
  • Ca. 15 % rohe Knochen bzw. einer berechneten Calciumquelle
  • Optional Pansen (je nach Modell)

Muskelfleisch liefert hochwertiges Protein, essentielle Aminosäuren und Energie – reicht aber allein nicht aus.

Innereien – Das natürliche Multivitamin

Innereien sind essenziell und keine Nebensache. Sie liefern:

  • Vitamin A
  • B-Vitamine
  • Eisen
  • Kupfer
  • Zink
  • Natürliche Enzyme

Ohne Innereien entstehen langfristig Mikronährstoffmängel – auch wenn genügend Muskelfleisch gefüttert wird.

Die Dosierung muss korrekt erfolgen, da insbesondere Vitamin A fettlöslich ist.

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Knochen oder Calciumquelle – Für Struktur & Stoffwechsel

Knochen liefern Calcium, Phosphor und wichtige Spurenelemente.

Das Calcium-Phosphor-Verhältnis ist besonders bei Welpen entscheidend für gesundes Wachstum.

Bei gekochten Rationen werden Knochen aufgrund von hoher Splittergefahr nicht direkt verfüttert, sondern durch eine berechnete Calciumquelle ersetzt.

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Pflanzlicher Anteil – Unterschied zwischen 80/20 und 70/30

Beim 80/20-Modell (getreidefrei)

Die 20 % bestehen meist aus Gemüse, ggf. etwas Obst und Kräutern. Sie liefern Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Antioxidantien und zusätzliche Mikronährstoffe.

Der Fokus liegt hier klar auf dem tierischen Anteil als Hauptenergiequelle.

Beim 70/30-Modell (mit Getreide)

Hier besteht der pflanzliche Anteil überwiegend aus Reis, Hirse, Hafer oder anderen Getreidesorten. Getreide dient primär als Energieträger.

Wichtig: Getreide ersetzt keinen tierischen Bestandteil, sondern verschiebt das Energieverhältnis zugunsten von Kohlenhydraten.

Ob dieses Modell sinnvoll ist, hängt stark vom individuellen Hund ab (Aktivität, Verträglichkeit, Stoffwechsel). Falls du die verschiedenen Fütterungsmethoden vergleichen möchtest: Hier findest du einen ehrlichen Vergleich aller Fütterungsformen.

Reicht Fleisch + Gemüse oder Getreide allein für alle Nährstoffe?

Eine korrekt aufgebaute Frischration deckt bereits viele Nährstoffe natürlich ab. Dennoch gibt es kritische Punkte:

  • Jod ist häufig nicht ausreichend enthalten und muss gezielt ergänzt werden
  • Vitamin D kann grenzwertig sein
  • Fehlt Fisch in der Ration, muss Omega 3 supplementiert werden
  • Spurenelemente wie Zink oder Selen schwanken je nach Fleischquelle
  • Das Calcium-Phosphor-Verhältnis muss exakt stimmen

Gemüse oder Getreide allein decken diese Punkte nicht vollständig ab. Deshalb ist eine individuelle Berechnung entscheidend.

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Fett – Der oft unterschätzte Faktor

Neben der prozentualen Aufteilung spielt die Fettmenge eine zentrale Rolle. Fett liefert:

  • Energie
  • Essentielle Fettsäuren
  • Unterstützung für Haut und Fell
  • Entzündungsregulation
  • Aufnahme fettlöslicher Vitamine

Zu magere Rationen sind einer der häufigsten Fehler – besonders bei aktiven Hunden.

Wasser – Der unterschätzte Nährstoff

Wasser ist lebensnotwendig für Stoffwechselprozesse, Nierenfunktion und Zellgesundheit.

Frisch gefütterte Hunde nehmen deutlich mehr Feuchtigkeit durch die Nahrung auf als Hunde mit überwiegender Trockenfütterung.

Fazit: Welche Nährstoffe braucht ein Hund?

Ein Hund braucht, unabhängig vom Modell:

  • ✔ Hochwertiges tierisches Protein
  • ✔ Ca. 15 % Innereien
  • ✔ Eine korrekt berechnete Calciumquelle
  • ✔ Ausreichend Fett
  • ✔ Omega 3 Fettsäuren
  • ✔ Einen sinnvoll gewählten pflanzlichen Anteil (Gemüse oder Getreide)
  • ✔ Jod in bedarfsgerechter Menge
  • ✔ Eine individuell berechnete Nährstoffbalance

80/20 oder 70/30 ist kein Dogma – sondern ein Rahmen. Entscheidend ist, ob die Nährstoffversorgung innerhalb dieses Rahmens wirklich bedarfsgerecht ist.

Nicht jedes Fertigfutter hält, was es verspricht. In meinem Ratgeber Wie erkenne ich gutes Hundefutter? zeige ich dir, wie du die Deklaration richtig liest.

Warum eine falsche Berechnung gefährlich sein kann

Fehler in der Rationsgestaltung sind kein kleines Detail.

Ein falsches Calcium-Verhältnis, eine Jod-Überversorgung oder eine unausgewogene Innereienmenge können langfristig ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen.

Das Problem: Viele dieser Fehler fallen nicht sofort auf, sondern entwickeln sich schleichend.

Deshalb reicht es nicht, sich nur an 80/20 oder 70/30 zu orientieren. Entscheidend ist eine fachlich berechnete und individuell abgestimmte Ration.

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Falls dein Hund zusätzlich unter Verdauungsproblemen oder Unverträglichkeiten leidet, kann eine gezielte Darmtherapie die Nährstoffaufnahme deutlich verbessern.

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